Teil eines Werkes 
3. Band (1851)
Entstehung
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Ernſt fehlt dem Leben der Römer gänzlich. Recht augenfällig wird dies in der Zeit der Faſten. Sie beobachten nicht im mindeſten Enthaltſamkeit, im Gegentheile ſchien es mir, als ſei dies eben die Zeit der ausgeſuchteſten Schwel⸗ gerei für ſie. Niemand enthält ſich der verbotenen Speiſen; nach dem Mahle gehen ſie dann in die Kirche, und dieſelben Menſchen, welche eben von der Uebertretung der Kirchen⸗ gebote herkommen, ſchlagen ſich im nächſten Augenblicke auf die Bruſt und rufen aus voller Kehle: Miſericordia! miſe⸗ ricordia!

Die Leckerei iſt eine Hauptleidenſchaft des römiſchen Italieners; am weiteſten wird die Feinſchmeckerei von der Geiſtlichkeit getrieben. In manchen Kaffeehäuſern werden für die jungen Abbés eigens feine, ſüße Backwerke bereit gehalten.

Die Kaffeehäuſer ſind in Rom für den Tag, was die Theater für den Abend ſind. Das Kaffeehaus, welches ſich im Erdgeſchoß des Palaſts Ruſpoli befindet und die Ausſicht auf den Corſo hat, iſt das ſchönſte und beſuchteſte Roms. Tag für Tag ſtrömt eine wogende Menge hierher, um Eis, Sorbet, Acque und erfriſchende Liqueure zu einer Art trock⸗ nen, ſüßen Backwerks, welches in ganz Italien unter dem Namen roba dolce bekannt iſt, zu nehmen. Ich bemerkte, daß die Frauen und Geiſtlichen hierin am genußſüchtigſten ſind und daran mit leidenſchaftlichem Eifer hängen.

Doch gibt es in dieſen Häuſern auch eine Zahl feſter, weilender Beſucher, die ſich nicht zwiſchen die ein⸗ und aus⸗