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117 Die Italiener haben es in der Herſtellung ſolcher Marionetten am weiteſten gebracht, ſie ſind dort vollkommner, als ſonſt wo. Die freie Zunge der Burattini und ihr Spott dürfen ſelbſt Hof und Kirche mitnehmen.
Pasquino und Marphorio, dieſe beiden alten Wort⸗ führer des römiſchen Spottes, ſind zum Stillſchweigen ver⸗ dammt.
Der dreieckige kleine Platz hinter dem Palaſt Braſchi, welcher den Namen piazza Pasguing trägt, iſt miteiner antiken Statue geziert, von der nur noch der Rumpf und ein Theil der Schenkel zu ſehen iſt; aus den Ueberbleibſeln läßt ſich die vollendete Arbeit noch erkennen. Sie erhielt den Namen Pasquino nach einem Schneider, welcher in der Nachbarſchaft wohnte und mit ſeinem witzigen Scherze alle Lächerlichkeiten geißelte. Das Publikum machte aus der Statue ein Orakel, welches die Spottreden der öffentlichen Meinung verkündete. Marphorio, der ſich auf dem Capitolium befindet, ſtellte die Fragen aus, auf die Pasquino ſeine Antworten ertheilte. Der beißende Spott fand bald keine Schranken mehr, und man wußte es ihm übel Dank, daß er die Machthaber, den Papſt und ſeine Verwandten, ſeine Günſtlinge und Geliebten angriff. Was man Jahrhunderte geduldig ertragen hatte, das flößte dem neunzehnten Jahrhunderte Furcht ein. Seit ſie zum Schweigen gezwungen wurden, ſagt der Italiener von Rom, reden Pasquino und Marphorio nicht mehr, aber ſie denken darum nicht weniger.


