Poſſen der Patrinella und Caſſandrino: einen ſtärkern Reiz können ſeine verweichlichten Nerven nicht ertragen, er iſt nur ein Kind, das Erheiterung bedarf. 5 Im Erdgeſchoß des Palaſtes Fiano ſammelt ſich die ſchauluſtige Menge zu den Spielen dieſer Marionetten, die übrigens ganz luſtig ſind. Der Charakter dieſer kleinen Bühne iſt durchaus im Geſchmacke der Luſtſpiele eines griechiſchen Dichters, den mein gelehrter Freund, Dom Salvi, Ariſto⸗ phanes nennt. Man ſpottet über die Bürger, den niedern Adel und die Schlauheit der Landleute mit dem Anſtriche gutmüthiger Laune. Caſſandrino, die Hauptperſon, trägt alle Eigenheiten eines Italieners von Rom zur Schau; bald iſt er auf die Muſik vernarrt, er verlangt, daß man ſein mit⸗ telmäßiges Talent und ſeine ſchlechte Stimme bewundere; bald bläht er ſich als reichgewordener Bürger grob und un⸗ verſchämt, und zeigt ſtatt des Geiſtes nur eine gewiſſe Abge⸗ feimtheit; wo es ſich um ſeine Intereſſen handelt, ſieht man ihn von Verwandten und Geliebten hinter's Licht geführt. Verheirathet er ſich, freiet er irgend eine hübſche Bäuerin oder eine liebenswürdige Jungfer, die mit ſeinem Alter gar übel zuſammenpaßt, ſo umgarnen ihn unabläſſige Haus⸗ plackereien.
Die Burattini geben jeden Abend mehrere Vorſtellun⸗ gen, welche ſtark beſucht werden. Sie ſind beißend, ihr Witz oft ſehr glücklich, dazu verleiht die Volksſprache mit ihren Eigenthümlichkeiten und Sprichwörtern ihnen einen beſondern Reiz, wodurch die Zuſchauer am meiſten angezogen werden.


