Dieſe Neigungen finden ſich eben ſo in den höheren Ständen, wo dem Gewandteren und dem größeren Verſchwen⸗ der der Vorzug gegeben wird. Aber wenn die böſen Tage kommen, die des Unglücks und der Gefangenſchaft, ſo ſchöpft das arme Mädchen, welches eben ſo ſehr durch ihre Liebe er⸗ niedrigt war, aus derſelben eine Aufopferungskunſt, deren Schwung ihr die verlorene Würde wieder zu verleihen ſcheint, ſo treu und ergeben zeigt ſie ſich; während die Dame oder Courtiſane ſich leichtſinnig von dem Liebhaber abwendet, den des Glückes Mißgunſt traf.
Dieſe Kontraſte zeigen ſich in allen Ständen und es gibt wenig römiſche Frauen, welche dieſen Alternativen und ſchroffen Gegenſätzen des Guten und Schlimmen nicht unter⸗ legen wären.
Von demjenigen Gefühle, welches am meiſten im Stande iſt, die Leidenſchaften zu zügeln, den Familienbanden und ihren Pflichten haben die meiſten römiſchen Frauen nicht ein⸗ mal einen Begriff. Die natürliche Liebe, dieſer edle Trieb, der das Weib mit ſeinem nengebornen Kinde umſchlingt, iſt faſt allen Müttern fremd, deren Leben in Vergnügen und Ueberfluß vergeht. Nur das Volk hat in dieſer Hinſicht noch Spuren dieſer angebornen Tugenden bewahrt.
Wohl trifft man noch hin und wieder in Rom jene jungen, mädchenhaften Mütter an, deren Abbilder Raphael in ſeine unſterblichen Gemälde verſetzte, ſchön und ſtrahlend von Liebe für ihr Kind am Buſen, aber alle gehören der niedrigſten Volksklaſſe an. In den Familien, ſogar bei den
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