Teil eines Werkes 
3. Band (1851)
Entstehung
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der römiſchen Weiber, von dem niedrigſten Mädchen bis zu den Höhen der Geſellſchaft, zu meſſen.

Nirgends begegnet man in den Beziehungen der beiden Geſchlechter gegen einander jener Schamhaftigkeit oder Sprödig⸗ keit, auf welche die meiſten europäiſchen Nationen Anſpruch machen. Sobald in Rom das Weib aus der Mädchenhülle hervorbricht, ſo zeigt ſich daſſelbe ganz unverholen in ihrem Sinnenhange, dem ſie folgt, wie eine Roſe ſich dem Hauche der Luft, den Sonnenſtrahlen und allen Eindrücken, die ſie erfriſchen und beleben, überläßt. Für ihr junges Herz ſind Wolluſt und Liebe nicht blos Freude, ſondern Wonne⸗ genuß.

Die Schönheit übt eine unumſchränkte Herrſchaft über ihre Sinne. In Rom beſteht die Liebe im Kultus der Körper⸗ formen und ſehr ſelten beſtimmt ſich die Wahl nach einem anderen Vorzuge; moraliſche Eigenſchaften haben nur dann einen Werth, wenn ſie mit körperlichen verbunden ſind. Muth und Kühnheit gefallen den römiſchen Frauen, weil dieſe Eigen⸗ ſchaften in geiſtiger Beziehung das ſind, was Stärke und Kraft beim Körper. Eine unſelige falſche Civiliſation haben dieſe edlen Züge verderbt, nur zuweilen noch findet man ihre Spuren in der Entartung. Die derbe Bäuerin vom römi⸗ ſchen Lande ergibt ſich, ſtatt den friedlichen Gefährten ihrer Arbeiten zu heirathen, dem Banditen, deſſen ſchöner, hoher Bau ſie beſticht. Glücklich über ihre Wahl ruft ſie:

— Das iſt ein Braver! bei ihm werde ich danaro ericra acconciatura, Geld und reichen Schmuck haben.

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