Teil eines Werkes 
3. Band (1851)
Entstehung
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Noemi einen geheimen Beweggrund haben müſſe, weshalb ſie ſich von ihren Herzensängſten nicht habe zur Flucht oder

zu einem Bruche verleiten laſſen, und dieſer Beweggrund war leicht herausgefunden: Noemi liebte. Eine Frau kann ſich nicht gut über die Symptome der Liebe, welche ſich durch ſo viele Zeichen kund giebt, täuſchen. Außerdem hatte die junge Jüdin einen unmäßigen Hang für die Welt. Die Signora entdeckte, daß dieſer Hang, den ſie auf Rechnung der Neugierde geſchrieben hatte, ein glühendes, leidenſchaft⸗ liches Verlangen nach dem Gegenſtande ihrer Liebe war, dem ſie durch jedes Geſchick hindurch zuzuſtreben entſchloſſen ſei.

In Folge dieſer Entdeckungen übte die Signora auf Noemi eine Herrſchaft, der ſich dieſe nicht mehr zu entreißen vermochte.

Die Jüdin willigte ein, ſich in griechiſche Tracht zu

kleiden und ſich der ihr vorzuſchreibenden Benehmensweiſe zu unterwerfen. Auf Dom Salvis Rath hatte die Sig⸗

nora Noemi eingeredet, daß derjenige, welcher ihre Ge⸗ danken belebe, ſie nicht lange werde meiden können, und die Signora ſetzte hinzu, daß er, wenn er ſie von ſo vielen Hul⸗ digungen umſtürmt ſähe, zu ihren Füßen ſinken werde.

Der doppelte Angriff auf ihre Liebe und Eitelkeit zu gleicher Zeit mußte Noemi überwinden; ſie gab ſich gefangen. Die ſiegreiche Signora begann nun auf langer Stufenleiter

die Ausführung des Werks, welches ſie dem römiſchen Hofe furchtbar machen ſollte, und rüſtete ſich, Altar gegen Altar zu erbauen.