17
verwendet werden durfte. Er lernte, wie die Handlungen, welche er für gottlos und frevleriſch gehalten hatte, geheiligt werden konnten, Anfeindungen der weltlichen Macht, wenn ſie ſich der geiſtlichen Macht widerſetzt, Meuchelmord der Fürſten, welche den Beſtrebungen der Kirche zuwider handel⸗ ten, Wucher mit heiligen Sachen; Raub und Vorenthalt fremden Guts, die ganze Rotte von Verbrechen fand er in den Schriften der größten Gelehrten der Geſellſchaft Jeſu als unſchuldig hingeſtellt, empfohlen und angeprieſen und ſelbſt in mancherlei Fällen vorgeſchrieben. Noch eine Menge ande⸗ rer Lehren, welche nicht weniger überraſchen, und auf die wir vielleicht noch zurückkommen, fand der Zögling in dieſen Schriften*). 4
*) Die Auffaſſung der Lehre der Jeſuiten iſt von der wie faſt überall in etwas übertriebenem Gradegenommen Möglichkeit und einzelne Fälle als Richtſchnur des Ge aufgeſtellt ſind. Ich will nicht im Betreff der Folgerungen, welche ſich aus den Lehrſätzen der Caſuiſten ziehn laſſen, übertrieben ſagen, denn die ſind ſo unbeſtimmbar, daß am Ende nichts für ſie unmög⸗ lich wäre, ſondern in Betreff der Auffaſſung der gegebenen Lehrſätze, welche denn doch keineswegs den ihnen gemeinlich beigelegten Stem⸗ pel tragen. Gleichwohl ſcheint eine Nemeſis in jenen Uebertrieben⸗ heiten gegen die von der Geſellſchaft Jeſu vertretene Lehre obzuwal⸗ ten, denn es gibt in der That nichts Unerfreulicheres, als die aufge⸗ ſtellten Lehrſätze in Vergleich gegen einander zu ſtellen und über die Förmlichkeit hinaus auf den Gehalt der Sache einzugehen. Da er⸗ gibt ſich allerdings, daß die unfehlbare Lehre ein künſtlich zuſammen⸗ geſetztes Formelweſen iſt, aus dem die größten Mißſtände ohne böſe Abſicht entſtehen müſſen und noch leichter ſich hineinbringen laſſen,
2
Verfaſſer indem die
II.


