— Ich habe den Ghetto verlaſſen, ſetzte ſie hinzu, weil ich fürchtete, daß man uns darin umbringen werde.
— O, mein Kind, welch entſetzlicher Gedanke!
Hierauf offenbarte ſie ihm, daß ſeit dem Vorfalle im Garten Pincio ſie ſich des Schreckens nicht erwehren könne, der ſich ihres Herzens bemächtige.
— und was war's, das Ihnen im Garten Pincio widerfuhr? In den Mittheilungen, die Sie Jules und mir gemacht, haben Sie dieſen Umſtand ausgelaſſen.
Noemi erzählte den wüthenden Angriff Stephans und die edelmüthige Vertheidigung des Unbekannten.
Dom Salvi hörte geſpannt ihren Worten zu. Als ſie geendet, rief er aus:
— Wiel das waren Sie?. 3
Er vollendete die Worte nicht. In ſein ging eine Umwälzung vor ſich, die Noemi blieb. Der Greis wurde weit herzlicher; ſein Benehmen gegen Noemi bekam auf einmal den Ausdruck einer väter⸗ lichen Zuneigung, deren Annehmlichkeiten das Mädchen ſtets nur geahnet, nie empfunden hatte. Dom Salvi näherte ſich theilnehmend und fragte, ob ſie nach einer ſchlummerloſen Nacht nicht der Ruhe bedürfe; er lud ſie ein, durch irgend eine Nahrung ſich zu ſtärken, und in den Worten, die er an ſie in Betreff ihrer Flucht aus dem Hauſe Ben Sauls richtete, lag ſo viel Güte, daß der Vorwurf und Tadel von liebe⸗ voller Nachſicht umkleidet wurde. Mit einem an Dankbar⸗ keit grenzenden Gefühle ſprach er ſeine Freude darüber aus,


