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will leiſe hinaufgehen und ſehen, ob der Herr Pfarrer ſchon wieder wach iſt.
Kaum war eine Viertelſtunde verfloſſen, da hörte Noemi den Geiſtlichen die Stiegen herabkommen. Gleich darauf trat Dom Salvi in das Sprechzimmer ein. Er erſtaunte ſehr, als er Noemi erblickte; jedoch unterdrückte er ſeine Ueberraſchung, ging gütig auf ſie zu und fragte, ob ihr irgend ein Unglück zugeſtoßen ſei, daß er auszugleichen oder zu mildern vermöge. Als er gewahrte, daß die alte Haus⸗ hälterin hörte, was er redete, faßte er Noemi bei der Hand und führte ſie in den oberen Stock in ein Gemach von düſtrem Ausſehen, dem eine Bibliothek das Anſehen eines Kabinets gab, während ein Kniepult es zum Betzimmer machte. Dom Salvi ſetzte ſich in einen Seſſel und ſammelte ſich, als ſolle er eine Beichte vernehmen. Er dachte in dem Augenblicke n
nicht daran, daß Noemi eine Jüdin war.
— Mein Vater, ſprach die Jungfrau, ich möchte mein Herz vor Ihnen aufſchließen.
— Reden Sie mein Kind, doch ehe Sie ſich an den Prieſter wenden, erheben Sie Ihr Herz zu Gott.
Die Jüdin ſagte in hebräiſcher Sprache mehrere Verſe der heiligen Schrift her; dies weckte Dom Salvi aus ſeiner Vergeſſenheit und rief ſeine ganze Erinnerung wieder zurück.
Noemi erzählte ihm von der Bulle, von ihrer eigenen Beſorgniß und den Schlingen und Fallen, von denen ſie ſich umgeben glaubte.


