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daß ſie zu ihm gekommen ſei, und verſprach, ſie nicht zu verlaſſen... In dieſem Augenblicke ſchlug die Wanduhr, welche im Zimmer ſtand und die Stunden nach nördlicher Eintheilung anzeigte, ſieben.
— Ich muß Sie verlaſſen, meine Tochter, ſagte Dom Salvi; um ein Viertel nach ſieben Uhr habe ich die erſte Meſſe in St. Ludovico zu leſen... Jaeintha!
Die alte Haushälterin erſchien.
— Sorgen Sie für dieſe Signorina! Auf Wiederſehen, mein Kind! ich werde für Sie zu Gott beten.
— Für eine arme Jüdin? ſagte Noemi.
Bei dieſen Worten fuhr die alte Haushälterin, Frau Jaeintha, voll Entſetzen zurück.
— Ja, mein Kind! verſetzte Dom Salvi, ich werde für Sie heten; ich hoffe, daß der Himmel die Gnade, um welche ich anflehen will, verleihen werde; Ihr Herz wird gewiß meinen Dank theilen.
Er ging.
In den letzten Worten Dom Salbis lag eine verbor⸗ gene Beziehung, die Noemi nicht begriff.
Etwa eine Stunde blieb der Pfarrer aus. Noemi hatte unterdeſſen die unausgeſetzteſten Fragen Jacinthas auszu⸗
halten, die große Angſt empfand, eine Tochter Iſraels in
dem Hauſe eines katholiſchen Geiſtlichen zu ſehen. Noemi, welche von der indiskreten Fragerin ſo arg beſtürmt wurde, rächte ſich an dieſer ungelegenen Neugierde dadurch, daß ſie auf alle Fragen der alten Haushälterin eine ausweichende
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