124
Der Zeitpunkt, wo die Gemälde der Akademie von Rom nach Paris geſendet wurden, nahete heran; Jules wurde von dem Namen und den Zügen der ſchönen Jüdin zu einer Idee begeiſtert; er bat ſie, ihm zu einem Gemälde„Ruth und Noemi“ zu ſitzen, welches er ihr widmen wollte. Es
wurde beſtimmt, daß Dom Salvi allen Sitzungen beiwoh⸗ nen ſolle.
VIII. Die Villa Medieci.
Das Gemälde von Jules Bonneville war vollendet; am nächſten Tage ſollte daſſelbe nach Paris abgehen. Ehe ſich die drei Freunde von ihm trennten, wollten ſie es noch ein letztes Mal ſehen.
Noemi erſchien darauf in ganzer Geſtalt. An ihrem Bilde hatte der Künſtler alle ſeine Kräfte aufgeboten und ſie mit engliſcher Reinheit und Anmuth bekleidet. Er hatte den Formen die ſchöne Fülle gelaſſen und ſie nur in idealer Auf⸗ faſſung wiedergegeben, indem er die jungfräuliche Züchtigkeit, die wie ein himmliſcher Schleier über ſie ausgegoſſen lag, mit ſeinem Pinſel erfaßte.
Dom Salvi umarmte Jules und verhieß ihm einen ungeheuren Erfolg. Noemi hatte des Künſtlers Hand er⸗
—


