Teil eines Werkes 
1. Band (1851)
Entstehung
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wißheit noch wuchs. In ihrer dumpfen Beklommenheit fürch⸗ tete ſie, wo ſie eben Trotz geboten; Angeſichts der Gefahr, deren Nahen ſie vernommen hatte, fragte ſich Noemi, wo ſie fern von den fortgezogenen Vater einen Schutz finden ſolle?

Dann fing ſie an zu weinen, wie das wohl bei den ſtärkeren Naturen der Fall iſt; und wieder der Schwäche ſich ſchämend, trocknete ſie die Thränen und überblickte mit feier⸗ lichem Ernſte die Lage, in der ſie ſich befand.

Ben Jakob hatte dieſes Mal ſeine religiöſe Pflicht über die Familienliebe geſtellt. Ohne Zweifel fürchtete er in dieſer Probe zu unterliegen, er hatte den Abſchied vermieden und ſeine Tochter verlaſſen, ohne ſie durch den Troſt einer letzten Umarmung zu ſtärken. Noemi war zu ſehr an eine unbe⸗ dingte Verehrung des väterlichen Willens gewöhnt, als daß ſie das Benehmen Ben Jakobs bei dieſer Gelegenheit einer Prüfung unterworfen hätte. Der Schutz aber, den ſie von Ben Saul und deſſen Frau erwarten konnte, war in ihren Augen ſehr nichtig. Der Greis war von Natur furchtſam und es mit der Schwächung ſeiner phyſiſchen Kraft durch das Alter noch mehr geworden. Frau Sarah aber war ſo ſehr an demüthige Unterwürfigkeit gewöhnt, daß ſie ſelbſt weit eher des Schutzes bedurfte, als ſolchen gewähren konnte. Zwar hätte Emanuel ſie gegen Gefahren vertheidigen können, allein Noemis Herz empfand eine zu große Gleichgültigkeit gegen den jungen Mann, um im Geringſten auf ihn zu rechnen.

Dagegen ſtellte ſich ihr in ihrer Verlaſſenheit ein andres Weſen dar; dies war der junge Mann, der ihr im Garten