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nahm Noemi eineſo ruhige Gleichgültigkeit an, daß der Greis ſeinen Irrthum bemerken mußte.
Die Benennung Tochter und Sohn, deren Emanuels Vater und der ihrige im Geſpräch von ihren Kindern ſich bedienten, hatten Noemis Gefühlen fortwährend widerſtrebt, ohne daß ſie ſich erklären mochte, was die unfreiwillige Empfin⸗ dung ſagen wolle. In Noemis Buſen war eine raſche Um⸗ wälzung vor ſich gegangen;z Sinn und Phantaſie gewahrten voll Erſtaunen die neuen Regionen, welche ihrem Geiſte ſich darboten. Die Natur hatte durch die Berührung eines geiſti⸗ gen Feuers Leben gewonnen: und eine ſolche Umwandlung iſt bei lange unterdrückten kräftigen Naturen ein gewaltiges Schauſpiel.
Noemi dachte darüber nach, was ihr ſeit der Ankunft in Rom begegnet ſei, und über dieſem Forſchen zerflogen die Nebel, reine helle Klarheit durchdrang die Finſterniß vor ihren Blicken. Die Erinnerung an den Angriff im Pincio und der Schutz, den ſie dabei erfahren, gaben ihrem Geiſte eine neue, bisher noch nicht genommene Richtung. Sie fühlte ſich von unbekannten Empfindungen die Schamröthe in die Wangen getrieben und in ihr begann der Kampf zwiſchen der Züchtichkeit ihrer Erziehung und der weiblichen Eitelkeit. Noemi wagte kaum ſich zu geſtehen, was ſie empfand. Erſt fühlte ſie ſich ſtark und erhoben, warf das Haupt muthig in die Höhe und ſchien die Welt, welche ſie vor ihren Gedanken und Empfindungen erſchloß, herauszufordern. Aber bald unterlag ſie peinlichen Gefühlen, deren Laſt durch ihre Unge⸗ 8*


