Teil eines Werkes 
1. Band (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

.i

42

gierden und Gewohnheiten des Volkes haben von dem, Jahr⸗ hunderte ong ihnen gegebenen Beiſpiel ihrer Herren nur Schlimmes gelernt.

Es hat Conclaves gegeben, wo die zahlreichen Morde, welche offen in den Straßen begangen wurden und die ſich auf hundert zweiundachtzig beliefen, den Gang des Conclave

unterbrachen.

Ueberhaupt macht die Plünderei einen weſentlichen Theil der Conclave⸗Ceremonien aus. Der Kardinal Ottoboni, ein Kandidat der Papſtwürde, ließ zur Beſchleunigung ſeiner Wahl ſeine Zelle von den Conclaviſten, den Dienern und Fachinis ausplündern, natürlich, nachdem er die erhebliche⸗ ren Werthſachen bei Seite gebracht; die Furcht der übrigen Kardinäle vor gleichem Geſchick brachte den von Ottoboni gewünſchten Eefolg zuwege. Dergleichen Raubgeſchichten findet man bei acht Wahlen. Nach dem Tode eines Papſtes gingen die Verwandten deſſelben im Einverſtändniſſe mit der Dienerſchaft des Vaticans ſo weit, daß ſie ſämmtliche Möbeln und Werthſachen fortſchleppten und dem Kämmerling für ſein Inventar nichts als einigen Plunder hinterließen.

Als Donna Olimpia die Nachricht erhielt, daß man die Zelle ihres Kardinals plündere, wollte ſie nichts gerettet wiſſen, ſondern rief aus:

— Um ihn als Papſt zu ſehen, würde ich mich ſelber preisgeben.

Dem Conclave fehlt jede Würde, mit der man es ver⸗ geblich durch Schein zu umkleiden ſucht. Die niedrigſten und