9 war, legte ſie ſolche Feinheit an den Tag, daß in der Folge ihr Rath und ihre Mitwirkung zu den ehrgeizigſten Plänen in Anſpruch genommen wurde.
Von nun an jedoch kannten ihre Begierden keine Gren⸗ zen mehr; ſie machte aus dem Einfluſſe, der ihr zu Gebote ſtand, einen öffentlichen Handel und erfüllte durch ihre Mit⸗ wiſſenſchaft an entſetzlichen Geheimniſſen diejenigen, welche ihr hätten widerſtreben wollen, mit Schrecken.
Donna Olimpia war nicht ehrſüchtig, ſondern geizig; ihr galt die Macht nicht als Ziel, ſondern nur als Mittel zur Bereicherung.
Sie ſtellte ſich küͤhn an die Spitze jenes Heeres von römiſchen Frauen, denen man überall bei allen Kabalen, bei allen Gunſtbezeigungen, bei allen Verleihungen und allen politiſchen Plänen begegnet; ihr Palaſt wurde der Mittel⸗ punkt ihrer Operationen; der Schacher mit geweihten Gegen⸗ ſtänden, der ſchändliche Handel der Simonie ſchlug daſelbſt ſeinen Sitz auf.
Der gute Ruf der Donna Olinpia verlor durch dieſe Umſtände ein wenig; da ſie nicht allzu zartfühlend und ge— wiſſenhaft bei den Mitteln war, welche ſie zur Erreichung
ihrer Abſichten einſchlug, ſo hielt ſie ſich von nun an auch
nicht mehr ſo ſtreng an die früher eingeſchlagene ehrſame Lebensweiſe. Dadurch gab ſie denen, welche ſie fürchteten, Gelegenheit, ſie von ihrer Höhe zu ſtürzen, und zu der Zeit, wo die von uns berichteten Ereigniſſe ſpielen, war Donna
Dlimpia wenig über die Stufe ausgezeichneter Liebhaberinnen,


