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Zwölftes Capitel.
Acht Wochen waren vergangen, das Weihnachtsfeſt nicht mehr fern und mit demſelben auch der Tag nahe, wo der Bund zwiſchen Elfride und Klaus vom prieſterlichen Segen geweiht werden ſollte. Von dem Glücke dieſes Brautpaares zu ſprechen, würde unnütz ſein, denn Liebende ſehen die Gegenwart und Zukunft dicht vor der Hochzeit im⸗ mer mit gleichen, wonneberauſchten Blicken an.
Roſalie war ſeit der Erfahrung mit dem„Herrn Vet⸗ ter Max,“ wie verwandelt, obwohl keine feindlich einwir⸗ kenden Nachwehen dieſes ſeltſamen Beſuches eingetreten waren. Sie hatte trotzdem erkannt, daß ſie in ihrer Ver⸗ achtung aller beſtehenden Geſellſchaftsformen, nahe an einen Abgrund geſtreift war, und ſie hatte offen und ehrlich ihrer Schweſter eingeſtanden, daß ſie die Veränderung ihrer Maximen den klugen Beurtheilungen derſelben untergeord⸗ net habe. Ihre burſchikoſe Heiterkeit war verſchwunden, die allzufreiſinnige Anſicht vom Umgange mit Männern hatte bedeutende Einſchränkungen erlitten und wenn ſie auch mehr noch, als ſich mit Elfriden's Meinungen ver⸗ trug, nach dem eclatanten Beifall der Männer geizte, ſo


