29
zu führen. Er war getrennt von Editha,— er lud durch die Vernachläſſigung des geliebten Mädchens den Schein launiſcher Kaltherzigkeit auf ſich und er war in Gefahr, durch ſeine Unterwerfung in des Vaters Willen, ſein gan⸗ zes Lebensglück zu untergraben.
Solche Grübeleien boten Grund genug, ſein Blut etwas in Wallung und ihn zu beſtimmten Oppoſitions⸗ plänen zu bringen. Er ſetzte ſich den Abend zum letzten Termine ſeiner Geduld und erwartete mit ziemlicher Unge⸗ duld das Ende der Seſſion, um ſeine Willenserklärung dar⸗ über abzugeben.
Das Schickſal wollte aber den Rath Rentalow nicht um die Satisfaction betrügen, die er vom Aldermann Kai⸗ ſerling zu fordern berechtigt war.
Die Seſſion war geſchloſſen und der Rath ſchritt mit der ganzen graziöſen Gravität, welche die Mode mit ſich führte, ſeiner Behauſung zu.
Als er von der Regierungsſtraße in die Kloſterſtraße einbiegen wollte, traf er jählings mit dem Aldermann zu⸗ ſammen, der eilig trippelnd um die Ecke ſchoß.
„Ah,— Herr Rath,⸗— rief er, freudig den Hut ſchwenkend, mit ganz extraordinären Verneigungen,„ich bin entzückt, Sie zu treffen. Ich war in Ihrem Hauſe,— habe Sie ſchon ein Weilchen erwartet.“—
„So?“ entgegnete der Nath höchſt lakoniſch.


