Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17²

Tone geſagt hatte:„Mir wäre es lieber, wir überließen ihn dem Arme einer höhern Gerechtigkeit!“

Kaiſerling las immer wieder und wieder den abſcheu⸗ lichen Brief, rannte gelegentlich in der Stube auf und ab und wiederholte noch hundert Male die inhaltſchweren Worte:„Ich bringe ihn an den Galgen, ſo wahr ich Kaiſerling heiße.“ Dann ſtillte ſich ſein Aerger und er faßte den Gemüthszuſtand ſeiner Tochter ſchärfer in's Auge.

„Freilich, ich ſehe ſchon, daß Dein Herz wahrſchein⸗ lich wieder wachsweich werden wird. Ich werde erleben müſſen, daß Du ihm zum zweiten Male in die weite Welt folgſt.——

„Nimmermehr, mein Vater,“ unterbrach ihn Gabriele mit erhobener, feierlicher Stimme,„niemals verlaſſe ich die Eltern wieder, die mit ſo zärtlicher Güte die gebeugte Tochter wieder aufnahmen!“

Ein greller Blitz, dem faſt unmittelbar ein Donner⸗ ſchlag folgte, führte den Aldermann jetzt auf die Gegen⸗ wart zurücck. Er erinnerte ſich, daß er hinauf gekommen war, um die großen Luken des Giebels zu revidiren. Schleunig ſteckte er ſein Licht wieder an und lief ohne Weiteres hinaus..

Das Gewitter war nach und nach immer näher gerückt. Grelle Blitze hatten längſt die Luft durchkreuzt, jetzt zogen die Wolkenmaſſen ſich über der Stadt zuſammen