166
verlangend ihren Kopf umſchlang und ihren Lippen zu be⸗ gegnen ſuchte. Sie fühlte die Gefahr, in die ſie ſich geſtürzt hatte. Konnte ſie unbedingt einem Manne die Rechte ge⸗ ſtatten, die er vor der Welt gelöſt hatte. Ihre Weiblichkeit erlaubte es nicht. Es bedurfte einer öffentlichen Sanction, bevor ſie die Bande als gültig betrachten konnte, die ſie an dieſen Mann knüpften.
Muthig entriß ſie ihm die Hände, muthig und ſtolz hob ſie den Kopf.
„Gabriele, meine Gabriele!“ bat Kotſchinski. Ihr Herz empörte ſich abermals gegen ihre Vernunft.
„Alexander, verlaß mich jetzt,“ entgegnete ſie weich. „Morgen—“
„Mir iſt keine Trennung wieder möglich.“ Seine Blicke ergänzten die Worte. Gabriele bat ängſtlicher— er verlangte kecker ihre Verzeihung. Seine Arme um⸗ ſchloſſen ſie dabei dicht und immer dichter. Gabriele rief ſeine Barmherzigkeit, ſeine Schonung an— Kotſchinski ſchien nicht Luſt zu haben den Platz zu räumen, den er nach und nach ganz zu erobern hoffen konnte. Die geängſtigte Frau brach in Thränen aus. Ihre Stimme hallte flehend wieder— ihr Herz gewann die Oberhand.— Da rettete ſie ihr eigenes Kind.
Der kleine Alexander, inſtinetmäßig von dem Angſt⸗ ſchrei des mütterlichen Herzens erwachend und von ſeiner
—


