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Der Abend brachte die erſten dumpf rollenden Töne des Gewitters, daß ſich ſchon ſo lange erwarten ließ. Ein⸗ zelne Windſtöße wirbelten die Staublagen von den trockenen Straßen auf und verdichteten die ohnehin drückende Luft zu einer unerträglichen Atmoſphäre. Man ſchloß die Fenſter und zog ſich in die Häuſer zurück. Alles erwartete einen furchtbaren Ausbruch des Unwetters. Es wurde ſo dunkel, daß man gezwungen war, noch vor der Zeit des Sonnenunterganges Licht anzuzünden. Nur wenige Men⸗ ſchen, die eilig ihrem Berufe nachgingen, waren auf der Straße ſichtbar. Es ſchlug neun Uhr, als Editha hinauf zu Gabrielen's Wohnung ging, um nach ihr zu ſehen.
Sie fand ſie ſchlummernd im Sopha. Ermattet von den innerlichen Kämpfen, war ſie endlich, nachdem ſie ihren unruhigen Knaben zu Bett gebracht hatte, vom Schlafe überwältigt worden. Still ging das junge Mäd⸗ chen zurück. Kaum hatte ſie das Wohnzimmer ihrer Eltern wieder erreicht, ſo ſchlich abermals eine dunkle Geſtalt ge⸗ ſpenſtiſch leiſe die Treppe hinauf und betrat die Zimmer der jungen Frau. Dort warf der Lichtſchein einen un⸗ ſichern Schimmer über alle Gegenſtände— die Geſtalt ſchien jedoch wohl vertraut mit der Localität zu ſein. Sicher ſchritt ſie bis zu der einſam brennenden Kerze vor, nahm dieſe vom Tiſche und leuchtete vorſichtig damit umher. Als Alles unterſucht und nichts aufgefunden war, was


