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daß bürgerliche Lebensſtellungen überwiegend bei der Ent⸗ wicklung ihrer Herzensregungen in die Wagſchaale fielen. Frau Kaiſerling erkannte als Grund hierzu die idealere Geiſtesrichtung ihrer Töchter, welche ſie der weiter ge⸗ diehenen Bildung der Mutter verdankten, ihr ſanguiniſch lebhafter Gatte nahm jedoch als factiſch und gewiß an, daß ſie es von ihm geerbt hätten, weil er viel lieber Mi⸗ niſter, als Aldermann geſpielt habe ſein Lebelang.
Als Johannes Rentelow nicht fiasco machte, ſondern als ein wirklicher„Fluthenbeſchwörer“ ſtolzmüthig die Straßen Magdeburgs durchwanderte, da kam er mehr als jemals auf den frühern Wunſch zurück, ſeine Tochter Editha mit dieſem letzten Sprößlinge einer geiſtesariſto⸗ kratiſchen Familie zu verheirathen. Aber wie das anfangen, da alle Brücken abgebrochen waren, welche eine Verbindung möglich machten? Er ärgerte ſich gründlich über ſeine vor⸗ eilige Spottſucht, ſchwieg aber wohlweislich gegen Jeder⸗ mann von den Wünſchen ſeines Vaterherzens, die er ſelbſt vernichtet hatte.
Gabriele kam an dieſem Tage nicht zum Vorſchein. Man kannte ihre Eigenthümlichkeit im Hauſe und reſpec⸗ tirte in ſolchen Fällen ihre Hinneigung zur Einſamkeit. Sie entging ſomit allen Fragen und hatte Zeit, den Sturm in ſich dermaßen austoben zu laſſen, daß er ſchmerzhafte Erinnerungen mit Stumpf und Stiel ausrotten konnte.


