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verlangte nicht mehr nach der anerkennenden Liebe eines Gatten, der ſie leichtſinnig verrathen hatte.
Als ſie heim kam, als ſie allein in ihrem Zimmer weilte, als ihr Knabe, ermüdet von dem Spaziergange und von den vielen neuen Eindrücken, die ſeine junge Seele erhalten hatte, eingeſchlafen war, da nahm ſie den Brief hervor, den dieſer Werbeoffizier als Antwort geſendet hatte. Sie verglich jetzt mit andern Ueberzeugungen die Hand⸗ ſchriften und mußte ſich nun eingeſtehen, daß Kotſchinski nur die Vorſicht gebraucht hatte, mit einer ſcharf geſpitzten Feder zu ſchreiben, während er ſonſt breitſpaltig und mit großen, geſpreizten Buchſtaben ſchrieb. Die Vergleichung der einzelnen Buchſtaben ergab ein unzweifelhaftes Reſultat.
In der Stille der Nacht floſſen Gabrielen's Thränen. Die Bitterkeit der Erfahrung brannte zu ſchmerzlich, ihre Verlaſſenheit trat zu grell vor ihre einſame Seele. Ob ſie Kotſchinski noch liebte? Nein, antwortete ihr Verſtand. Wie jämmerlich erſchien ihr der Abgott ihrer Seele in dem ſtummen Schrecken, der den gewandten Weltmann und den redefertigen Liebeshelden ganz überwältigt hatte. Wie ab⸗ ſcheulich war ſein Zurücktreten, dem die ausgeprägte Be⸗ ſtürzung den Charakter der Feigheit verlieh. Dies Zu⸗ ſammentreffen war im Stande, alle die verlockenden Bilder der Vergangenheit mit einem Schlage zu verlöſchen.
Die Nacht verging dem armen, gedemüthigten Weibe


