15⁵.
Und ſo war es wirklich geſchehen! Kein Wort der Erklärung war geſprochen, kein Zeichen der Erkennung hatte die dumpfe, bange Stimmung gelöſt, mit der ſich dieſe zwei Menſchen einander gegenüber geſtanden! Endlich hatte es der Offizier bis zu einem ſteifen Gruße gebracht und war verſchwunden, bevor Gabriele von ihrer unſäglich ſchmerzlichen Beſtürzung geneſen war.
Zweifelte ſie jetzt noch an der Identität des Werbe⸗ offiziers?
Nein! Ihr Herz wallte in bitterer Empörung auf und nannte den Mann einen herzloſen Betrüger. Ihr Knabe kam auf ſie zugelaufen. Er berichtete nach Knaben⸗ art die große Entdeckung, daß der Wald ganz weit fort⸗ gehe und daß er ſich nicht gefürchtet habe. Gabriele nahm ihn zitternd in ihre Arme und ſchaute ihm in das ſchöne kecke Geſicht. Ihre Bruſt wollte ſpringen unter dem Ge⸗ danken, daß der Vater dieſes Kindes noch auf der Welt, hier im Umkreiſe von wenigen Schritten weile, während es als Waiſe, verlaſſen und verſtoßen von ihm, daſtehe. Welche Schmach für ſie— welche Schande für das Kind! Sie beſchloß zu ſchweigen! Ihr Geheimniß hinter dem Schleier äußerer Ruhe zu bergen, konnte ihr nach den Jahren ſtillen Kummers nicht ſchwer werden. Die Ehre ihres Sohnes erforderte ihr Schweigen und ihr Herz


