Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Gabriele ſtand neben ihm und ſah mit dem Intereſſe des Mutterherzens der künſtlichen Schnitzerei zu. Alexander lief einen Seitenweg hinein. Es war ganz ſtill im Walde. Kein Blatt regte ſich, kein Vogel erhob zwitſchernd ſein Stimmchen. In Gabrielen's Bruſt ſenkte ſich ein ſeltſa⸗ mes Gefühl der Beruhigung unter der Einwirkung dieſer Naturſtille. Sie ſtand unbeweglich, während ſich in ihrer Seele die Bilder einer ungetrübten Zukunft aufrollten, worin ihr Sohn ihr als ein Erſatz aller Leiden erſchien.

Stephan ahnte gewiß nicht im Entfernteſten, welche heilig ſchöne Gefühle die junge Wittwe neben ihm hegte. Er dachte auch an die Zukunft. Sara war der Glanz⸗ punkt ſeiner kleinen proſaiſchen Träumerei, und wenn er ſich ihre ſtattliche Grazie mit der Brauerei, die er quasi als ſein Eigenthum zu betrachten ſich erlaubte, auch noch nicht ganz zu reimen vermochte, ſo war er doch keinen Au⸗ genblick mehr zweifelhaft darüber, daß er und Sara ganz gewiß einſtmals ein Paar werden würden.

„Im Namen des Königs, Ihr ſeid mein Gefange⸗ ner!“— ſagte da plötzlich eine Stimme hinter ihm und eine Hand legte ſich hart auf ſeine Schulter.

Frappirt wendete ſich Stephan Kühne um— er⸗ ſchrocken fuhr Gabriele aus ihren Träumereien empor. Als ſie blitzſchnell ihren Blick auf die Geſtalt richtete, die dieſe Worte geſprochen hatte, da fand ſie ſich Auge in Auge