Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Sara, des Kauf⸗, Brau⸗ und Rathsherrn Vogler einziges Kind, war ein hochgewachſenes, ſchönes Mädchen, mit einem feſten, dem materiellen Leben ſtark zugewendeten Sinne. Ihr klaſſiſch geformtes Geſicht zeigte einen ſelt⸗ ſamen Ernſt, der mit ihrer glücklichen Lebensſtellung gar nicht in Einklang zu bringen geweſen ſein würde, wenn man nicht auf den erſten Blick geſehen hätte, daß dieſer Ernſt die Grundlage ihres ganzen Naturells war. Trotz⸗ dem neigte ſie zum Humor, der gerade durch die Gravität der Außenſeite einen gewiſſen Zauber über ſie goß und ſie zu einer intereſſanten Perſönlichkeit erhob.

Ganz das Gegentheil von ihr bildete Editha, des Al⸗ dermann Kaiſerling jüngſtes Töchterlein. Wie Sara eine Repräſentantin der Vernunft und der Proſa vorſtellte, ſo konnte Editha als ein Sinnbild der Poeſie gelten. Ein poetiſcher Hauch umflog das, noch an der Grenze der Kind⸗ heit ſtehende, reizende Mädchen und verlieh allen Be⸗ wegungen, allen Worten und allen Handlungen derſelben eine überwältigende Liebenswürdigkeit. Sie hatte freilich etwas von der Natur des gaukelnden Schmetterlinges, der von einer Blume zur andern fliegt, ohne die richtige Be⸗ griffsfähigkeit für die Schönheit derſelben, allein das heitere Vertrauen, womit ſich Editha der Hoffnung hin⸗ gab, allen Leichtſinn von ihrer Umgebung beſchönigt zu ſehen, bildete die beſte Wehr und Waffe des holden Kindes.