222 ſicht! Mein Gott, wie war das Alles ſo einfach, ſo ruhig abgemacht, und ſie hatte mit thörichter Furcht, ſie hatte mit grauſamen Entſchlüſſen gerungen, ſie hatte in Angſt und Sorge, in Groll und Bitterkeit alle Bande zwiſchen ſich und Askan zu löſen getrachtet! Nun war er da und nun gebot er, ſie ſollte nicht daran denken, ihr Glück zu ſtören. Nun bewies er ihr die Liebe ihres Vaters mit einfachen Thatſachen; nun erklärte er ihr, daß die Geſetze der Ehre und Pflicht ihn zu ihrem Beſchützer machten. Wie verblendet mußte ſie geweſen ſein, daß ihr eige⸗ ner Verſtand ſie nicht hatte heilen können! Das ganze Machwerk ihrer Staatskunſt lag jämmer⸗ lich vernichtet am Boden und ſie trauerte nicht darüber.
Graf Askan trat unvorhergeſehen in den Salon. Er ſtörte ein Geſpräch zwiſchen dem Hofmarſchall und Reinhold, das jedenfalls ſeinen ausgedehnten Beſuch bei Dora Bella zum Thema hatte, denn beide wen⸗ deten ſich gleichzeitig nach ihm um und eine gleiche Spannung lag in ihrem Mienenſpiele.
„Willkommen, Graf Askan!“ rief Reinhold launig. „Du ſiehſt wie ein glücklicher Eroberer aus!“
„Ein Sieger über ſich ſelbſt iſt wohl kein Eroberer
„zu nennen, Reinhold“, antwortete Askan, indem er ſich


