12
Herr Evers hob ſein wohlgenährtes Geſicht etwas hoch auf.„Nun, und weshalb ſollte ſie nicht?“
„Sie iſt zu gut und zu edel für mich“, antwortete Dietrich feſt und beſtimmt.
„Was?“ rief ſein Onkel halb lachend und halb ärgerlich.„Junger Herr, bleib' Er mir vom Leibe mit ſolchen hochtrabenden Redensarten. Zu gut und zu edel? Daß Dich! Klärchen iſt gerade ein Mädchen wie andere Mädchen, und wenn die junge Dame etwas mehr auf Anſtand hält und etwas eiferſüchtig Dein Thun und Treiben mit den Frauenzimmern zügelt, ſo iſt mir das gerade recht, Du Wind⸗ beutel!“
„Gib Deine Bemühungen auf, Onkel“, fiel Dietrich bittend ein.„Klara wird mich niemals lieben— ein Mädchen wie Klara kann mir ihr Herz nicht öffnen— ſie ſteht hoch über mir in Bildung und Geiſtes⸗ größe—“
„Nun aber höre auf!“ unterbrach ihn Evers ge⸗ bieteriſch.„Deine Beſcheidenheit geht ein biſſel zu weit. Was Du an Klärchen Alles entdeckt haſt, davon hat noch kein anderes Menſchenauge etwas geſehen, alſo ſiehſt Du wahrſcheinlich durch die Verſchönerungs⸗ gläſer der Liebe.“
Als Dietrich nichts auf dieſe Bemerkung erwiderte,


