226
beſtimmter ein.„Herr Evers hat ſeine Vorſchläge viel zu voreilig begründet, wenn er denkt, daß ſein Herr Neffe mich durch Aufmerkſamkeiten auszeichnet. Ich beſtreite dieſe Vorausſetzung, Mama! Mit dieſem auf Erfahrungen gegründeten Zweifel fällt aber das ganze Gebäude ſeiner Pläne zuſammen, denn es kann mir doch nicht einfallen, auf Herrn Evers' Antrag einzu⸗ gehen, wenn ich weiß, daß Dietrich ein anderes Mäd⸗ chen lieb hat!“
Klara's Stimme wankte ein klein wenig bei den letzten Worten, ob durch innere Bewegung erzitternd oder im leichten Verwirrungsgefühl einer kindlichen Scham?
„Ach, Kindchen, darüber muß man zur Zeit hinweg⸗ ſehen“, erwiderte Frau Horink beſchwichtigend,„und es fragt ſich ſehr, ob Dietrich nicht deſſenungeachtet ſehr gern das hübſche Töchterchen der Wittwe Horink, die zu den Schloßlenten gehört, heirathen würde.“
„Aber ich heirathe ſolchen Mann nicht, der aus Rückſichten um mich wirbt!“ ſagte nun Klara in ſo entſchiedenem Tone, daß ihre Mutter aufmerkſam wurde und ihr ſcharf ins Geſicht ſah.
„Haſt Du etwas Beſonderes gegen Dietrich?“ fragte ſie theilnehmend.„Haſt Du vielleicht früher ſchon mit Deinem Onkel geredet? Er will nichts von dieſer Heirath wiſſen.“
—


