Teil eines Werkes 
1. Band (1867)
Entstehung
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wenn auch nur von ſchüchternen Blicken. Sie gebrauchte eine lange Zeit, um ſich und ihr beſſeres Selbſt aus dieſem Chaos von wogenden Gefühlen wiederzufinden.

Dann aber erhob ſie ſich ganz beruhigt. Sie

wußte, was zu thun ihr oblag.

Des Tages Mittagsglanz lag ſchon auf dem Schei⸗ tel der Höhen, als ſie wieder in das Stübchen eintrat, das ſie unter ſo aufgeregten Empfindungen verlaſſen hatte.

Ihr Blick ſuchte die Mutter. Der Lehnſtuhl ſtand leer. Erleichtert athmete ſie auf, denn ihre noth⸗ wendigen Erklärungen wurden dadurch etwas hinaus⸗ geſchoben.

Sie gewann durch die Abweſenheit ihrer Mutter Zeit, ſich auf ein Geſpräch vorzubereiten, das ihr Inneres verhüllen ſollte, während es den Schein großer Aufrichtigkeit tragen mußte. Ein gefährliches Unternehmen, wenn ſie nicht ihrer Selbſtbeherrſchung

ſicher war!

Mit der Erfindungskraft der innern Unruhe durch⸗ dachte ſie, was ſie ſagen wollte, aber die Erfahrung lehrt, daß die Geſpräche, worauf man ſich vorbereitet, am wenigſten gelingen.

Nach einer halbſtündigen peinlichen Erwartung trat Frau Horink ein. Sie war augenſcheinlich bewegt,