Teil eines Werkes 
1. Band (1867)
Entstehung
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Es ſchwamm Alles undeutlich vor Klara's Blicken, ſie zog ſich ſchauernd vor Kälte zurück ihr auf⸗ geregtes Blut war erkaltet.

Die arme Lauſcherin hörte nur, daß ihre Freundin ſchäkernd rief:

Wie kann man nur verlangen, daß ein Mädchen bärtige Lippen berührt! Nie wieder, nie wieder, Dietrich!

Nie? Wirklich niemals, lieb Toni? fragte er dagegen. 4

Weiter hörte Klara nichts mehr, denn ſie glitt raſch den Wieſenabhang hinab und eilte, ihren Garten zu erreichen.

Sie ließ ſich auf demſelben Platze nieder, wo ſie eben ſo himmliſch geträumt hatte, und begann ihre Gedanken zu ſammeln. Wäre ihr dieſe Erfahrung eine einzige Stunde früher gekommen, ſo hätte ſie ihr kaum eine Empfindung von Schmerz verurſacht, jetzt aber, von Hoffnungshöhen herabgeſtürzt, jetzt fühlte ſie ſich von einer unerträglichen Qual bedrückt.

Freilich konnte ſie Niemand eine Schuld auf⸗ bürden, ſie mußte ſich ſelbſt, ihr leichtgläubiges Herz und ihren voreiligen Verſtand tadeln, welche beide falſche Schlüſſe gezogen hatten; allein ſie fühlte ſich dennoch beraubt, dennoch hintergangen, dennoch belogen,