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Haſelbüſche an einer Stelle, wo es weniger dicht ver⸗ ſchlungen war. Schon hatte ſie ſich einen Weg ge⸗ bahnt und wollte den Garten des Förſters betreten, als ſie Stimmen hörte, welche ihre Schritte bannten. Vorſichtig bog ſie einige Zweige zurück— ihr Athem ſtockte, ihr Blut gerann. Da ſtand Dietrich— vor ihm lehnte Antonie an einer Leiter— er hielt Früh⸗ kirſchen in einem Korbe, die er jedenfalls von dem Baume, woran die Leiter ſtand, gepflückt hatte. Er hielt das Körbchen hoch in die Höhe, Antonie lachte und wendete ſich ab.
„Warum nicht gar!“ ſagte das junge Mädchen, aber eine Purpurglut färbte ihr ſchönes Geſicht und die ſtrahlenden Augen erhielten einen beſondern Glanz.
„Jeder Arbeiter iſt ſeines Lohnes werth“, entgeg⸗ nete Dietrich ſchmeichelnd und ſah feurig in ihre feurigen Augen.
„Ich habe Ihre Hülfe nicht verlangt“, trotzte Toni und griff nach dem Korbe.
„So grauſam, ſüße Kleine— ſo grauſam“, flüſterte der junge Mann und hielt ihre Hände mit dem Korbe feſt.„Ich laſſe auch handeln, ſtatt zehn Küſſe nur drei, Toni, liebliche Toni— nur drei!“
Ob er ſie gewaltſam umſchlang, ob ſie ſich will⸗ fährig ihm zuneigte?


