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Sie blickte auf die letzte Vergangenheit zurück, woraus tauſend kleine ſchüchterne Aufmerkſamkeiten ihr entgegenleuchteten. Bald hatte er ihr Veilchen geſucht und war zur Ruine hinaufgeſtiegen, als man ihm ſagte, dort wüchſen die ſchönſten; bald hatte er ihr die erſte Roſe aus ſeines Onkels Garten gebracht, bald hatte er im Thale Vergißmeinnicht gepflückt, bald eine Schale voll Walderdbeeren geſammelt— waren das nicht, nach allen romantiſchen Erzählungen, die ſie las, beglückende Zeichen eines liebenden Herzens?
O, ihr Herz jauchzte bei dieſen Erinnerungen und ſie ſehnte ſich, die Fülle ihrer ſeligen Gefühle in einer treuen Bruſt niederlegen zu können.
Klara erhob ſich aus ihrem Verſteck. Sie beſchloß, zu ihrer ſchweſterlichen Freundin, zu Antonie van der Bruik zu gehen und ihr volles Herz durch Mitthei⸗ lung zu erleichtern. Sie ſchlüpfte aus der Hinter⸗ thür des Gartens, eilte den Wieſenweg entlang, der hinter den Gärten des Dorfes aufwärts führte, und kam ſchnell zu der Stelle, wo vor wenigen Minuten Graf Askan und Reinhold die lachende Stimme eines jungen Mädchens gehört hatten und umgekehrt waren, um zum Park zurückzuwandeln.
Eilfertig und ſehr geſchickt kletterte Klara die Wieſenlehne hinauf und durchbrach das Dickicht der
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