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habe vorhin den Gerichtsboten die Fahrſtraße herauf⸗ kommen ſehen. Dieſer leidige Proceß— mein Vater hätte lieber ſtillſchweigen ſollen!“
Eben knarrte die Gartenpforte. Herrn Evers' wohl⸗ genährtes Geſicht erſchien vor dem Fenſter der Frau Horink und fragte mit einem ſeltſamen Leuchten in den ſchlaublinzelnden Augen:„Darf ich näher treten, Verehrteſte? Gehorſamer Diener! Darf ich mir denn erlauben—“
Raſch öffnete Frau Horink das Fenſter und rief einfallend:„Bitte näher zu treten, Herr Nachbar!“
Klara ſprang auf und öffnete die Stubenthür, mit Artigkeit und Förmlichkeit ſich verneigend. Es war, wie geſagt, ein ſeltener Gaſt und dazu ein Mann, den ſie ehren mußte. Zuvorkommend trat ihm auch ihre Mutter entgegen.
„Sehr angenehm, Herr Nachbar“ ſagte ſie und lud ihn mit einer Handbewegung zum Sitzen ein. Herr Evers lachte und entgegnete jovial:—
„Oder auch nicht ſehr angenehm, Frau Nachbarin! Doch wer kann's ändern! Haben Sie die Vorladung zum ſechzehnten Auguſt ſchon erhalten?“
Frau Horink machte eine abwehrende und zugleich verneinende Geberde..
„Wird ſchon noch kommen, Gnädige“, tröſtete Herr


