Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
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die getrennt worden war, abgedruckt ſtand. Sie machte dabei die frühzeitige Bemerkung, daß dergleichen Re⸗ densarten doch ſehr unwahr und zugleich lächerlich ſeien. Sie geſtand es ſich aber nicht ein, früherhin eben ſolche Tiraden unbeſchreiblich ſchön gefunden zu haben.

Unvermerkt kam ſie in Zug und las weiter. Es wurde ihr zu Muthe, als öffne ſich ihr Erinnerungs⸗ vermögen, als rolle ein Vorhang vor ihr auf und ge⸗ ſtatte ihr einen Rückblick in die Vergangenheit. Die Briefe Adolar's, des Helden der Geſchichte, athmeten einen ihr bekannten Geiſt. Die pomphafte Liebeshul⸗ digung erinnerte ſie plötzlich an die Epiſode aus ihrem Brautſtande, wo ſie unzufrieden mit der rechtſchaffenen Herzensruhe Benno's war, und ſie fühlte jetzt die Veränderung ihrer Anſichten, indem ſie Adolar's Briefe las.

Benno ſpielte ohne Argwohn fort, und Charlotte gab ſich ihrer Lectüre um ſo aufmerkſamer hin. Es war auch ein Melodrama, wie Herr Benno es im Schloſſe Welldorf geliebt hatte, aber hier wurde es ihm in ſeinen Folgen unbequem.

Charlotte ſtutzte plötzlich. Sie rieb ſich die Stirn. Das Buch entſank ihrer Hand, und ihr Blick ſtreifte mit unſäglicher Verachtung den vertieften Fortepiano⸗ ſpieler. Leiſe ſchloß ſie ihren Arbeitstiſch auf, nahm