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citien hätte es ihm freilich verrathen ſollen, daß ſeine harmoniſchen Angriffe auf ihre Phantaſie ganz erfolg⸗ los blieben, und daß ſie jetzt eher eingenommen gegen die pomphafte Virtuoſität der Neuzeit erſchien, als da⸗ für exaltirt. Der ſolide Kunſtgeſchmack Ottendorf's hatte weſentlich auf ihr Urtheil gewirkt, und bei der Bildungsfähigkeit ihres weichen und empfänglichen Tem⸗ peramentes war ſie ganz unmerklich von der frivolern Muſikleidenſchaft zu einer ernſtern Auffaſſung überge⸗ gangen, die ſich auf die Werke älterer Meiſter, bis zu Händel und Bach zurück leitete. Das rauſchende, lei⸗ denſchaftlich bewegte Spiel Benno's fand daher kaum noch Sympathie in ihr. Sie hörte faſt achtlos auf die prächtigen Melodien der Bellini'ſchen und Donizetti'ſchen Opern, welche Benno vorzugsweiſe jetzt vorzutragen pflegte, und ſie fühlte niemals jene wilde, ſüße Auf⸗ regung, die ſie damals zur Braut des jungen Mannes gemacht hatte.
Bei ſeinen Sinnenbeſtürmungen alſo ganz andern Gedanken hingegeben, griff ſie endlich mechaniſch nach dem unſcheinbar eingebundenen Buche, und begann da⸗ rin zu blättern. Lächelnd überflog ihr Blick die erſten Seiten, worauf die Herzensergießung einer gewiſſen Hermione an einen gewiſſen Adolar mit der ſchwülſtigen Phraſeologie einer überſchwenglich unglücklichen Liebe,
1859. XIV. Erneſt Octav. III. 14


