Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

Erneſt wich einer beſtimmten Antwort aus. Von Stunde zu Stunde beſuchte er das Kind, von Stunde zu Stunde gewann dies Kind ihn lieber aber für die Sorge der Eltern hatte er kein beſchwichtigendes Wort. Er hielt es in ſeiner vermeſſenen, vorurtheils⸗ vollen Meinung nicht für nöthig, dieſen ariſtokratiſchen Herzen, welche nur für die Erhaltung ihres reinen Stammbaumes zitterten, Troſt und Beruhigung zu ſpenden. Mittlerweile rückte die Hochzeit der Prinzeſſin Mathilde heran. Die Baronin erhielt die Nachricht, daß Alice während des Aufenthaltes des Oberkammer⸗ herrnpaars, das im Schloſſe Aufnahme fand, bei ihr wohnen ſollte. Eine wehmüthige Freude durchlief das Herz der Dame. Alicens Mutter gehörte zu ihren liebſten Jugenderinnerungen; die ſanfte, holdſelige, nur gar zu ſentimentale Güte der Verſtorbenen hatte oft⸗ mals ihr wildes Herz beſänftigt ſie ſehnte ſich dar⸗ nach, die Tochter ihrer Jugendfreundin zu ſehen.

Die feſtlichen Vorbereitungen zur Vermählung der Fürſtentochter, bildeten einen grellen Widerſpruch zu der ängſtlichen Stille im Hauſe des Baron Roſenau. Die Feierlichkeit erforderte die Anweſenheit beider Gatten am Hofe, da ſie zum Hofperſonal gehörten; aber das Fürſtenelternpaar, von tiefem Mitgefühle be⸗ ſeelt, entband ſie ihrer Verpflichtungen und ſtellte es