19
Lola Montez gewetteifert haben würden, wenn ſie un⸗ ter andern Verhältniſſen ausgeübt worden wären. Sie war die Tochter eines alten, ſehr vornehmen Militärs geweſen, der es ſich zum Geſetz gemacht hatte, ſeine einzige Tochter ganz allein und nach ſeinen Grundſätzen erziehen zu wollen. Was aus ſolchen Erziehungen wird, hatte ſich bei ihr genugſam gezeigt. Endlich legte die Liebe Hand an's Werk. Der Baron Roſenau, um ſechszehn Jahre älter als ſie, kam von ſeinen Reiſen zurück. Er war anders, als alle die Cavaliere der Reſidenz. Er war weniger artig gegen ſie, hatte keine Schmeicheleien für die einzige Erbin des reichen Vaters in Bereitſchaft, zeigte ſich verletzt von ihren Knabenſtreichen, ließ eine ſtolze Empfindlichkeit blicken, wenn ſie die Dehors vernachläſſigte, und er erklärte ſich nicht gegen das ſchöne verzogene Kind, obwohl man ſehen konnte, wie heiß er es liebte.
Aber eines Tages, wo ihre zügelloſe Laune das Verhängniß gereizt hatte, wo ſie in Gefahr gekommen war, aus Leichtſinn ihren guten Namen einzubüßen, da trat er in die Schranken für ſie, denn er wußte ſie unſchuldig. Sechs Wochen ſpäter war ſie Baronin Roſenau, und ſeitdem deckte ſie mit ſtarkem Willen die Schleier der Etikette über ihr Inneres. Es wäre mithin vom Schickſale nicht nöthig geweſen, ſeine ge⸗


