Teil eines Werkes 
2. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

234

Die alte Dame verlachte ihn mit dieſer Prophe⸗ zeihung und meinte:ſie kenne ihn genugſam, um zu wiſſen, daß er die Neugier als einen Foltergrad der Tortur anſehe, und beſonders Frauen gar zu gern dieſer Marter übergebe. Hinter ſeinem Geheimniſſe ſtecke nur der Schalk.

Zeigen Sie ſich lieber ein Mal recht ritterlich, Herr Schwager, und helfen Sie mir eine Bitte durch⸗ ſetzen, die, wie ich im Voraus weiß, trotz allem kind⸗ lichen Reſpecte, an der Bruſt meines Sohnes abprallen wird. Die Baronin Roſenau wünſcht Alice, die Tochter ihrer liebſten Jugendfreundin zu ſehen, und bittet mich, ſie ihr zu ſenden. Da wir nun beſchloſſen haben, der Einladung der Prinzeſſin Mathilde nach Landsau zu fol⸗ gen, ſo bietet ſich eine vortreffliche Gelegenheit, das Kind mitzunehmen aber ich fürchte, daß mein Sohn Ludwig ſich nicht entſchließen wird, Alice von ſich zu laſſen.

Der Regierungsrath, ein Feind aller Verſtellung und Lüge, wechſelte die Farbe, machte eine ſtumme, abwehrende Bewegung und murmelte etwas, das Nie⸗ mand verſtand.

Alice hingegen ſprang auf, warf ſich ihrem Vater an die Bruſt und rief:Ich will meinen Vater auch nicht verlaſſen!