—
39
„Vetter Benno iſt aber ein liebenswürdiger Erzäh⸗ ler— er iſt amuſant— voller Talent.“—
Alice machte eine geringſchätzende Pantomime. Daran beruhigte ſich ihr Vater für jetzt. Wenn Alice keine Neigung für ihn gewann, ſo blieb er unſchädlich.
„Sein Spiel iſt hinreißend,“ ſetzte er nur noch gelaſſen hinzu.
„Was er ſpielte, war göttlich“— flüſterte ſie mit einem ſchwärmeriſchen Lächeln—„ob ich jemals
dieſe Compoſitionen werde ſpielen können?“ Argwöhniſch blitzte des Vaters Auge ſie an.„Willſt
„D
Du vielleicht Unterricht bei Vetter Benno nehmen?“
fragte er ſchnell.
Eine helle Röthe flammte über ihr Geſicht und ſie fuhr, elektriſch von dieſem Gedanken berührt, von ihrem Sitze auf. Ihr Vater kannte ſie genau genug um zu gewahren, daß ſie die Perſon von der Sache trennte. Die Muſik, die ſie ſo vollkommen noch nie gehört, die ſie in dieſer verführeriſch ſchmeichelnden Art zu den Sinnen ſprechend noch nicht gekannt hatte, dieſe Muſik war das Ideal ihres Herzens geworden— der Mann aber nicht, der ſie ihr zu Gehöͤr gebracht. Ihr feiner Sinn bewahrte ſie vor ſolchen Excentricitäten, wodurch ſich Frauen ſo leicht compromittiren, wenn ſie, ſtatt den Componiſten zu würdigen, ihre Schwärmerei dem


