erſchien ihm der jugendlichen Lieblichkeit ſeines einzigen Kindes nicht ganz ebenbürtig. So gern er es ſich verhehlen wollte, ſo kam er doch immer wieder darauf zurück, daß in des neuen Vetters Liebenswürdigkeit viel
Fades lag, welches von einem oberflächlichen Charakter
und von einer mangelhaften Bildung Zeugniß gab. Wie nun, wenn des Primus Willen dieſen Mann zum Gatten Alicens beſtimmte?
Ein unbehagliches Gefühl überlief ihn. Möchte er häßlicher ſein— möchte er weniger formenſicher ſein— möchte er talentlos ſein— aber nur ſo, wie er ihn ſich zum Schutz und zur Stütze ſeiner Tochter wünſchte. Charaktervoll und edel! Beides fehlte dem neuen Vetter ganz und gar.
Alice beobachtete ihres Vaters Geſicht und plau⸗ derte.
„Wir gehen allein, Papa,“ ſagte ſie plötzlich, froh und ſinnig zugleich.„Ich habe den Onkel ge⸗ beten, Vetter Benno mit in den Wagen zu packen, damit es ihm nicht einfalle, mit uns zu gehen.“—
Der Regierungsrath horchte.„Mir wäre die Begleitung des Vetters ganz recht geweſen, Alice,“ ſagte er gemüthlich in ihr Geſicht ſchauend.
„Ich mochte es aber nicht,“ entſchied das Mäd⸗
chen.„Auf dem Spaziergange gehörſt Du mir.“


