29
nachgiebige Güte ſeines Weſens belehrten ſeine Brüder über die Pläne, welche ſeine Bruſt durchblitzten, eher als er ſie ausgeſprochen hatte und veranlaßten den Herrn Tertius Victor zu der gelaſſenen Aeußerung:
„Da ſich in unſers Herrn Vaters Teſtament nichts vorfindet, was maßgebend auf unſere Entſchlüſſe wirken könnte, ſo wäre es thöricht, wollten wir den Launen eines Knaben Gehör ſchenken. Es liegt in der Natur der Sache, daß ein Familiengut immer den Beſtim⸗ mungen des älteſten Sohnes anheim fällt, wenn ſonſt von väterlicher Seite nichts darüber befohlen iſt. Unſer Bruder Erneſt iſt der Aelteſte und hat ſomit den erſten Anſpruch. Schlägt er den Beſitz aus haltbaren Grün⸗ den aus, ſo tritt Ludwig in ſeine Rechte. Alſo erklärt Euch, Ihr Brüder. Laßt uns eine Sache zu Ende bringen, die dem weichmüthigen Primus Scrupel erregt. Sag' an: willſt Du bei Deinem Beſchluſſe beharren, Welldorf in Beſitz zu nehmen, Bruder Erneſt?“
Primus Erneſt blickte, bewegt auf ſeinen jüngſten Bruder, der mit zitternder Ungeduld an ſeinem Munde hing. Ihm fiel die Stunde ein, wo er dieſen Knaben, ihm Schutz und Trutz gelobend, zur chriſtlichen Weihe auf ſeinen Armen gehalten und er zögerte eine volle Minute, bevor er den Entſchluß bekräftigte, welcher den erſten wichtigen Wunſch dieſes Kindes der Ver⸗


