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funden hatte. Unbemerkt zu Lyſanna zu gelangen war nach dieſer Ueberzeugung durchaus nöthig.
Leiſe hatte ſie ſich endlich der Thür ſo weit genähert, um ſie öffnen zu können.—
Sie blieb ſtehen. Ihr Herz klopfte vor Bangigkeit! Was für Erfahrungen brachte ihr die nächſte Minute! Lauſchend lehnte ſie die Stirn gegen die Thür, die ſie von Lyfanna trennte.
Sie hörte, daß das junge Mädchen haſtig hin und her ging. Sie hörte, daß ſie Kaſten auf zog und wieder ſchloß. Von einem unerklärlichen Gefühle getrieben riß ſie die Thür auf, Lyſanna ſtand vollſtändig gekleidet am Fenſter. Sie wendete ſich um, blieb jedoch von einer fremdartigen Schüchternheit, die nicht ganz ohne Stolz war, wie gefeſſelt ſtehen, als ſie Giſela erblickte, die mit einem einzigen flüchtigen Blicke bemerkte, was hier vor⸗ gehen ſollte.
Ein Strahl von Freude, wie ſie noch nie ihr Inne⸗ res berührt, zuckte durch ſie hin.
Mit beflügelten Schritten durcheilte ſie das Zimmer, ergriff Lyſanna's Hand und preßte ſie feſt zwiſchen ihren Fingern.„Sie wollen fort?“ fragte ſie mit ſtockendem Athem.„Sie wollen fliehen? Oder— iſts eine Braut⸗ fahrt?“ fügte ſie mit ſinkender Stimme hinzu.„Nein? O Lyſanna, was für eine Nacht hat mir die Angſt, die


