Teil eines Werkes 
2. Band (1865)
Entstehung
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ihn der Schmerz ſo ſtark aufgeregt hätte, wohl aber ein gewiſſer Verdruß über Warren's Schwatzhaftigkeit, die auf immer ſeinen Projecten ein Ziel geſetzt.

Es gelang Giſela ganz unbemerkt die Treppe hin⸗ aufzukommen und das Zimmer Lyſanna's zu erreichen. Früh mit dem erſten Morgenſtrahle war die Milde und Gerechtigkeit wieder in ihr Herz zurückgekehrt und ſie hatte beſchloſſen, ihren erſten Vorſatz auszuführen, der Ly⸗ ſanna wieder unter ihren Schutz ſtellen ſollte. Noch ehe die Familie ihres Bruders aufgeſtanden war, rollte der Wagen des Commerzienrathes die Landſtraße zur Stadt hinab und Giſela, die zitternd vor Ungeduld im Fond des Wagens lehnte, gelobte ſich, Alles anzuwenden, um die böſe Saat, die in Lyſanna zu wuchern ſchien, un⸗ ſchädlich zu machen. Ihre Zuneigung zu dem holden We⸗ ſen war wo möglich noch gewachſen, während der Seelen⸗ ſturm verheerend in ihr getobt hatte. Sie ſehnte ſich das ſorgloſe Lächeln zu belauſchen, das den ungetrübten Ge⸗ müthszuſtand ihrer jungen Freundin ſo ſchön bezeichnete. Sie fürchtete, daß dies Lächeln verſchwunden ſein könnte warum hatte ſie ihrer ſtolzen Empfindlichkeit nachgegeben und war ohne genügende Aufklärung dem erſten kriegeri⸗ ſchen Angriffe Roſſian's gewichen. Immer gewiſſer wurde es ihr, daß dieſer die Hand im Spiele gehabt und ihre Trennung von Lyſanna zu gewiſſen Zwecken nöthig ge⸗

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