Teil eines Werkes 
1. Band (1865)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

durch das Balkonfenſter auf die Terraſſe hinaus, von welcher man in die Boskets gelangen konnte.

Der Commerzienrath ſah ihr ernſthaft nach. Er ſchüttelte den Kopf und ſagte:Ich hätte nie geglaubt, daß Giſela, die ernſte, ſtolze Jungfrau, ſo zärtlicher Ge⸗ fühle fähig wäre, wie ſie für die kleine Koltrum zeigt. Sonderbar! Sonderbar!

O, Schweſter Giſela hat ſtets ein edles Herz ge⸗ zeigt, erwiederte der junge Officier, den Dampf ſeiner Eigarre mit größter Gleichmüthigkeit aufwärts blaſend. Giſela artet ganz nach unſerm Vater!

Nach wem arteſt Du denn mein Sohn Ilow? fragte der Commerzienrath neckend.Oder biſt Du ein⸗ zig in Deiner Art?

Giſela hatte die Terraſſe ſogleich verlaſſen und war hinter den blühenden Büſchen der Spireen und Goldre⸗ gen verſchwunden. In ſchwer zu beſchreibender Unruhe durchſtrich ſie die ſchmalen Gänge, die labyrinthiſch das Geſträuch durchſchnitten. Schon dunkelte es ſtark, aber der Mond hing im vollen Glanze über ihr und gab hin reichendes Licht zu ihrem Spaziergange her. Sie war unzufrieden mit ſich, daß ſie nicht conſequent ihre Vor⸗ ſätze durchgeführt hatte, von welchen ſie vollkommen ge⸗ ſtählt war, als ſie nach dem Tode ihres Vaters aus

ihren geſelligen Verbindungen trat und den Aufenthalt Fritze: Die Gebrüder Koltrum. I. Bd. 15