29
weilen ſcharf über die kahlwerdenden Felder Fabrik hatte die Arbeit begonnen. der ſchwarze Rauch aus dem Schornſteine und wälzte ſich verdüſternd über die Stromufer fort. Herr Ely mußte ſeine Augen und Ohren überall haben, doch verſäumte er trotzdem ſeinen gewohnten Gang nicht. Aber eines Abends hörte er weder Giſela's Stimme durch die Abend⸗ ſtille dringen, noch lockten ihn die erhabenen Adagios Beet⸗ hovens am Gartenzaume zu weilen. Alles ſtumm! Alles ſtill! Eine kurze, ſchwere Minute verſtrich. Ely ſtrengte vergeblich ſein Gehör an. Nichts regte ſich! Es wurde ihm zu Muthe, als löſche langſam ein Licht vor ihm aus, das ihm als Leuchte gedient. Ruhig ging er ſeines Weges, denn er hielt dies ungewöhnliche Ausfallen der Muſikſtunde für einen Zufall. Als auch am nächſten Abend kein Ton durch die Luft drang, als noch ein Abend und wiederum ein Abend verging, ohne ihm die liebgewordenen Klänge zu bringen, da lächelte er bitter und verdächtlich, während er dachte:„Alſo ein Sommerplaiſir für's gnä⸗ dige Fräulein— mit dem erſten Winterſturm gibt ſie ihre gerühmte Selbſtändigkeit auf. Hoffentlich war es „hier wohnen zu wollen
und in der Tag und Nacht ſtieg
nur eine Laune von der Dame, und ſie iſt nächſten Sommer ihrer ſelbſtändigen Stellung ſo überdrüſſig, daß ſie mei⸗ nen Kaufbedingungen geneigter wird.“——
Fritze: Die Gebrüder Koltrum. 3


