und ihr Wohnhaus war das ſchönſte im Orte, ſo lange Glaubet exiſtirte.
Das Geſchick begünſtigte dieſen Mann. Er fand auf ſeiner Beſitzung plötzlich das ſchönſte Material zur Zie— gelbrennerei und er zögerte keinen Augenblick, dieſen Zufall gehörig auszubeuten. Seitdem war er noch hochmüthiger, und da ſich im Dorfe kein Gutsbeſitzer oder Amtmann fand, ſo hielt er ſich für den vornehmſten Mann daſelbſt. Kein Menſch beſtritt ihm dies. Ja, es iſt anzunehmen, daß ſogar Niemand die Wahrheit ſeiner Selbſtſchätzung bezweifelte. Seine Frau, ebenfalls eines Vollſpänners Tochter, war im Grunde geſcheuter, als er. Ihre ſcharfe und ſchnelle Faſſungsgabe befähigte ſie einzuſehen, daß ſie auch nicht mehr Bäuerin ſcheinen müſſe, wenn ſie mehr ſein wolle. Die Erhebung aus ihren früheren Ver⸗ hältniſſen bedingte eine Geiſteserhebung. Ihre Beobach⸗ tungen hatten den Erfolg, daß ſie ihrem Manne rund heraus erklärte,„ihrem Reichthume Ehre machen zu müſſen, wenn ſie ſich in Reih' und Glied mit den Amtleuten und Paſtoren der Umgegend zu ſtellen ge⸗ neigt wären.“
Herr Karl Traugott hatte nichts dagegen einzuwenden, und Frau Oſterhof ging tapfer an's Werk, als ihr Sohn, das einzige Kind, welches ihr von Gott geſchenkt worden war, heranwuchs. Sie brachte den Knaben, der nach einem
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