Teil eines Werkes 
1. Band (1865)
Entstehung
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ging. Und nicht von Außen trat die Allgewalt des Zeit⸗ geiſtes mit ihren Wundern heranz nein, von innen heraus, in der eigenen Bevölkerung entwickelte ſie ſich, nachdem der Kern der Erkenntniß hier in einen richtigen Boden gefallen war.

Das Dorf Glaubek gehörte ſtets zu den reichen Dörfern. Seine Einwohner waren in drei Abtheilungen getheilt, die durch ein Herkommen, weit ſtrenger, als die ſtrengſte Hofetikette, verbunden und getrennt waren. Man fand dort Vollſpänner, Halbſpänner und Häusler, und jedes Kind im Dorfe wußte, was für eine Kluft zwi ſchen dem Sohne eines Vollſpänners und der Tochter eines Halbſpänners gähnte eine Kluft, die nicht ein mal von Geldſäcken ausgefüllt werden konnte. Ein maß⸗ loſer Stolz regelte das Benehmen der Vollſpänner. Sie überflügelten darin jede Anmaßung der Ariſtokratie und ſtolzirten mitseiner Würde im Dorfe umher, als wären ſie die Fürſten der Welt und aus purem Golde gegoſſen. Man fügte ſich dieſem alten Herkommen und ließ ihnen ihre eingebildete Größe.

Der reichſte Vollſpänner und dabei der Stolzeſte ſeines Standes war Herr Karl Traugott Oſterhof, und ſeine ehrenwerthe Gattin gab ihm in dem Fehler der Selbſtüberhebung und Selbſtüberſchätzung nichts nach. Ihr Grundſtück bildete die öſtliche Spitze des Dorfes