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Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
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In der Unkenntniß dieſer Beſtimmung mit ſeinen geſetz⸗ lichen Folgen hatte jedenfalls der geiſtliche Rath geglaubt, auf längere Zeit die Verwaltung des großen Vermögens an ſich reißen zu können. Der gute Mann hatte kein Glück. Auch ſeine unchriſtliche Prophezeiung in Bezug auf Ring⸗ forth's Sieg ging nicht in Erſüllung. Das Geſchick zeigte ſich barmherziger, als man es erwarten konnte.

Ringforth's Ernennung zum neuen Amte erfolgte in kurzer Zeit und zwar begleitet von der Weiſung, ſich unver⸗ züglich nach dem Orte ſeines neuen Wirkungskreiſes zu ver⸗ fügen. Er verließ demzufolge noch vor dem Schluß des Landtages die Reſidenz, um Veranſtaltungen zu ſeiner Ueber⸗ ſiedelung nach der weitabliegenden Provinz zu treffen.

Nicht mit frohem Herzen, aber ergeben und zufrieden⸗ geſtellt durch die Ausſicht auf eine Häuslichkeit, die durch Leopoldinen's Freundſchaft den Reiz der Friedlichkeit erhielt, traf er ganz unerwartet in ſeinem Hauſe ein.

Es ſollte ihn hier ein neuer, ungeahnter Schlag treffen. Seine Gattin war ſoeben geſtorben! Sie hatte ſich, wie immer, mit Stumpfſinn und Gleichgiltigkeit in die Ecke ihres Divans geſchmiegt, hatte nach der feſtſtehenden Ge⸗ wohnheit über Müdigkeit und über Froſt geklagt und war von Leopoldine unter milden Troſtverheißungen auf den Som⸗ mer, in ihre ſeidenen Decken eingehüllt worden. Wenige Minuten ſpäter trat Urſula mit ihrem Arnold zu ihr ein; ſie fanden ſie bleich und ſtarr ein Gehirnſchlag hatte ihrem Leben ein Ende gemacht.

Ringforth trat erſchüttert vor die Verblichene und legte ſeine Hand mit ſanftem, zärtlichen Drucke auf die blaſſe, kalte Stirn. Es war ſeine letzte Liebkoſung, die er dem

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