Druckschrift 
Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

227

aber zu, daß die alte, böſe Frau ihren Grimm über die Er⸗ folge, die Sie im Vaterlande feierten, ſtets an Frau Adele ausließ und ſie zu

zu geiſtigen Kaſteiungen verdammte, fiel Ring⸗ forth zitternd vor Schmerz ein. Meineke zuckte die Achſeln.

Bis endlich dieſe furchtbare Schwachſinnigkeit eintrat, die ſie zu einem Automaten machte. Und das Alles duldeten Sie? Das duldeten Sie ohne Gottes Zorn zu fürchten? Und dann lieferten Sie mir die arme, unglückſelige Frau in's Haus, ohne nur ein Wort von dem entſetzlichen Stumpf⸗ ſinne zu erwähnen?

Meineke reckte ſich in die Höhe und ſagte ungemein höflich:Sie übertreiben den Zuſtand Ihrer geehrten Gattin; ich habe Gottlob Zeugen in Menge, daß ſie in vollkommen geſundem Zuſtande mit uns in Livorno gelebt und auch mit uns, ohne Zeichen von Geiſteszerrüttung, Livorno verlaſſen hat. Was Ihnen jetzt ſo auffällig erſcheint, iſt wohl ein altes Uebel, nur einigermaßen durch die zuſammentreffenden Umſtände verſtärkt. Für nicht beſonders geiſtesſtark hat Ihre Frau Gemahlin ſtets gegolten, und wenn Ihre Liebe Sie dergeſtalt verblendet hatte, dies nicht zu finden, ſo können Sie für Ihre Herzenstäuſchung doch Niemand verantwortlich machen als ſich ſelber. Sie ſehen jetzt eingetroffen, was ich Ihnen vorausgeſagt habe: der Herr züchtigt Sie im Jubel Ihres Sieges; es iſt die Hand des Herrn, welche Ihren Triumph zur Buße macht.

Die ausgeprägte Malice, womit der Schulrath dieſe Rede gehalten, gab Ringforth Veranlaſſung, ſich ſchweigend zu verbeugen und durch eine Handbewegung nach der Thür an⸗

zudeuten, daß er nicht die mindeſte Luſt verſpüre, die Unter⸗ 15*