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Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
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Nun beſtürmte ihn Lady Elmore, ſeine Gattin einer Heilanſtalt anzuvertrauen und erbot ſich, Frau Adele auf ſchonende Weiſe ſelbſt dahin zu bringen, indem ſie dieſelbe zur Mitreiſe nach Meran auffordern wollte.

Dies Anerbieten wurde von Ringforth entſchieden ab⸗ gelehnt.

Dann helfe Ihnen Gott, Ihr ſchweres Schickſal er⸗ tragen, ſagte die Dame beim Abſchiede. Ringforth meinte ſchwermüthig, daß er das Kreuz geduldig tragen wolle, was ihm aufgebürdet ſei. Ihm lag vor allen Dingen daran, zu erforſchen, wie ſich die befremdliche Zerrüttung in ſeiner Gattin Geiſt und Körper vollzogen hatte. Das konnte er nur durch den Schulrath Meineke und durch das ehemalige Geſellſchaftsfräulein der Generalin erfahren. Da dies Ehe⸗ paar nach der Reſidenz ſich begeben haben ſollte, ſo beeilte er ſeine Abreiſe dorthin. Wer malt ſein Erſtaunen, als ſein erſter Blick beim Eintritt in ſeine dortige Wohnung ihn eine Karte erblicken ließ, worauf außer dem gedruckten Namen

des Schulrath Meineke die ſchriftliche Notiz ſtand:daß er in der

Wohnung der Generalin Kynar zu treffen ſei, wichtige An⸗ gelegenheiten mit Ringforth zu verhandeln habe und um des⸗ willen eine beſchleunigte Unterredung mit ihm wünſche..

Den Schulrath in jenen Räumen aufſuchen, die eine Menge

von unerträglichen Erinnerungen darboten, widerſtand den Ge⸗ fühlen Ringforths. Er forderte alſo, kurz entſchloſſen, den Mann auf, ſeinen Beſuch zu einer beſtimmten Stunde zu wiederholen. Meineke ſtellte ſich pünktlich bei ihm ein. Erſtaunt prüfte Ringforth die äußere Erſcheinung des⸗ ſelben, er ſtand vor ihm, als ein ganz veränderter Mann. Elegant, faſt ſtutzerhaft gekleidet, ein Lorgnon im Auge, das